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Wie regelmäßiges Meditieren mein Sexleben verbesserte

Foto: Eylul Aslan.
Unsere stressige, dysfunktionale, vielbeschäftigte Welt macht gerade eine Veränderung durch. Immer mehr Leute nehmen sich eine Verschnaufpause und schalten bewusst ab. Kein Wunder, dass Meditation und Achtsamkeitstechniken immer erfolgreicher werden und inzwischen fester Bestandteil vieler Leben sind.
Meditations-Apps wie Headspace machen Achtsamkeit immer mehr zum Teil des Mainstreams, während Yoga – die ultimative Meditationsübung – inzwischen auch am Arbeitsplatz und im Klassenraum angekommen ist. Die Vorteile dieser uralten Praxis sind ja auch einfach zu gut, als dass man sich das entgehen lassen sollte; eine Studie ergab zum Beispiel, dass Meditation die Strukturen im Gehirn verändert und die Konzentration verbessert, Stress reduziert sowie Emotionen reguliert.
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Die Auswirkungen der Meditation auf das Sexleben ist weniger gut erforscht – insbesondere in Bezug auf den weiblichen Orgasmus. Dennoch gibt es immer mehr Forschungserkenntnisse zur Verbindung zwischen Meditation und Sex, die vermuten lassen, dass ein besseres Körpergefühl und -verständnis unser Berührungsempfinden verbessern könnte – und so zu besseren Orgasmen führen könnte.
Mehrere Studien haben erwiesen, dass meditierende Frauen ein stärker ausgeprägtes Verlangen sowie bessere Sexualfunktionen aufweisen – und damit auch bessere Chancen auf intensivere Orgasmen haben. Eine weitere ergab, dass Achtsamkeitsübungen das sexuelle Zusammenspiel zwischen Erregung und genitaler Reaktion bei Frauen verbesserten, die in der Vergangenheit über eine schwache Libido oder andere sexuelle Schwierigkeiten geklagt hatten. Und eine dritte Studie wies ebenfalls eine direkte Verbindung zwischen Meditation und Sex nach. 
„Es geht darum, beim Sex in die richtige Stimmung zu kommen“, meint Jessica Boston, eine kognitive Hypnotherapeutin, die Frauen dabei hilft, mithilfe von Meditation sexbasierte Probleme zu überwinden. „Es ist sehr wichtig, dabei mit deinem:deiner Partner:in ganz im Hier und Jetzt zu sein, über eure Verbindung nachzudenken, wie sich das Ganze anfühlt und dich auf die Empfindungen deines Körpers zu konzentrieren.“
Rund 25 Prozent aller Frauen haben Schätzungen zufolge Schwierigkeiten dabei, einen Orgasmus zu bekommen, oder hatten noch gar keinen. Frauen, die regelmäßig zum Höhepunkt kommen, tun das aber auch nur bei etwa 50 bis 70 Prozent aller sexuellen Kontakte. „Viele Frauen denken in einem sexuellen Umfeld nicht an das Richtige“, meint Boston. Sie machen sich beispielsweise zu viele Gedanken darüber, wie viel Spaß der:die Partner:in wohl gerade hat, oder zerbrechen sich den Kopf über ihre eigenen Körper; viele Frauen sind beim Sex abgelenkt, sagt Boston. Meditation – also das Besinnen auf den Moment und die Konzentration auf einen bestimmten Gedanken oder eine bestimmte Aktivität – kann dabei helfen, jemanden in eine sexy Situation zurückzubringen.
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„Wenn du dich ganz auf den Augenblick fokussierst, verstärkt das automatisch all das, worauf du dich konzentrierst“, erklärt sie. „Wenn du zum Beispiel gerade Schmerzen hast, kannst du die dadurch verstärken oder abschwächen. Dasselbe gilt für Lust. Wenn dir eine Berührung gefällt und du dich darauf konzentrierst, kannst du sie dadurch vertiefen.“
Ähnlich wie bei der Meditation geht es auch bei uralten fernöstlichen Praktiken wie Tantra um Atemübungen, die sexuelle Erfahrungen intensivieren sollen. Tantrischer Sex ist für gewöhnlich sehr langsam und soll die Intimität zwischen Partner:innen durch eine körperlich-geistliche Verbindung vertiefen, was zu stärkeren Orgasmen führen kann.

Wenn dir eine Berührung gefällt und du dich darauf konzentrierst, kannst du sie dadurch vertiefen.

Tantra ist vielleicht über 5.000 Jahre alt – die Beziehung zwischen Meditation und Sex schaffte es trotzdem erst 2016 in den Mainstream, als die Wellness-Firma OneTaste in San Francisco eine Praxis namens „Orgasmic Meditation“ (kurz „OM“) berühmt machte. Daraus wurde schnell ein Medienphänomen, und zahlreiche Artikel und Reviews zu den Gruppen-Meditationskursen fluteten das Netz, in denen den Frauen von Partner:innen die Klitoris gestreichelt wurde. Inzwischen hat OneTaste alle Vor-Ort-OM-Kurse gestoppt, nachdem ehemalige Mitglieder der Organisation gegenüber Bloomberg erzählt hatten, sie hätten sich durch die Teilnahme verschuldet und OneTaste habe dabei Trauma-Opfer ausgenutzt.
Dennoch: Meditation kann für Betroffene sexueller Traumata lebensverändernd sein.


„Ich meditiere regelmäßig und es hat definitiv mein Sexleben verbessert“, erzählt Nikki Mattocks, eine 21-jährige Auszubildende zur psychiatrischen Fachkrankenpflegerin. „Ich wurde in meiner Jugend sexuell missbraucht und nutze die Meditation, um negative, aufdringliche Gedanken meiner posttraumatischen Belastungsstörung zu besänftigen. Das hilft meinem Sexleben.“ Atemübungen und positive Affirmationen helfen Mattocks dabei, die mit ihrem Körper verbundene Scham zu überwinden, die der Missbrauch in ihr auslöste.

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„Wenn eine Frau ein sexuelles Trauma erlitten hat, verletzt sie das tief in ihrem Inneren. Dadurch kann ihr ganzes Wesen aus der Bahn geworfen werden“, erklärt die Psychotherapeutin Elisa Bragg. „Meditation kann zum Heilungsprozess einer Frau dazugehören, indem sie sie dazu einlädt, in ihre Beziehung zu ihrem Körper, ihren Gefühlen und Gedanken zurückzufinden, vor denen sie sonst vielleicht fliehen würde.“
Das heißt aber natürlich nicht, dass Orgasmen nur von unserem geistigen Zustand abhängen. Der „orgasm gap“ zwischen Männern und Frauen und die Unverhältnismäßigkeit von klitoralen und vaginalen Orgasmen haben dafür gesorgt, dass viele Frauen glauben, sie seien untenrum nicht „richtig verkabelt“. Dabei kommt der Großteil der Menschen mit Vagina nicht von Penetration allein zum Höhepunkt. Die Anatomie spielt dabei eine entscheidende Rolle: Frauen mit einem kürzeren Abstand zwischen Klitoris und Vagina haben eventuell eine bessere Chance auf einen Orgasmus beim Sex. Noch wichtiger ist aber wohl die Verbindung zwischen Intimbereich und Gehirn – die wortwörtliche. Naomi Wolfs Buch Vagina wirft einen genaueren Blick auf die anatomische Wissenschaft rund um den Orgasmus. Das Ganze lässt sich so zusammenfassen: „Wie sind die Genitalien mit der unteren Wirbelsäule verbunden, die wiederum mit dem Gehirn verbunden ist?“
Durch diese Verbindung kann der Sex selbst quasi zur Meditationsmethode werden. Das findet jedenfalls die 29-jährige Catherine*, die einen fordernden Job und einen vielbeschäftigten Lifestyle hat und Sex zur Entspannung nutzt. „Stell dir vor: Du schwimmst in einem Pool, und es ist nichts und niemand um dich herum. Du bist ruhig und entspannt, und deine Ohren sind unter der Wasseroberfläche, sodass du auch nichts hörst. So läuft das in meinem Kopf ab, wenn ich Sex habe.“ Sex erlaubt ihr, „meinen Kopf abzuschalten und mich einfach nur auf einen körperlichen Akt zu konzentrieren“ – wie bei der Meditation.
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Frauen nehmen die Lust inzwischen immer mehr selbst in die Hand. Feministische Sexspielzeuge, Masturbation, Sex Positivity und jetzt Meditation – wir sind eindeutig auf der nicht enden wollenden Suche nach noch besseren Orgasmen. 
„Immer mehr Frauen begreifen, dass mit ihnen überhaupt nichts falsch ist“, meint Boston. „Sie nehmen sich die Zeit, um ihre eigenen Körper besser kennenzulernen und zu verstehen, worauf sie sich in sexuellen Situationen konzentrieren sollten.“
*Name wurde von der Redaktion geändert. 

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